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4. Sonntag B
Sö/Ul 2012 Üb00
„Man kann eine Religion wohl am besten daran erkennen, wie viel sie im
Menschen bewirkt, wenn sie von Gott spricht“
Liebe Zuhörende, dieser Satz stammt vom Priester und Psychologen Eugen
Drewermann. Und es hat offensichtlich bei den Menschen nicht mehr viel
bewirkt, wenn die Schriftgelehrten von Gott gesprochen haben. Sie redeten
langanhaltend und nichtssagend von IHM. Sie sprachen von der Macht Gottes
aber das machte nichts mit ihnen selbst. Das Verfallsdatum ihrer Worte war
längst abgelaufen. Ihr Reden glich leeren Konservendosen, die die Menschen
nicht einmal zu öffnen wussten. Sie hatten nichts, was die Menschen satt und
glücklich machen konnte. Nicht wie die Schriftgelehrten jedoch, lehrte Jesus
in der Synagoge, wie wir heute gehört haben. SEIN Wort war macht-voll und
machte voll etwas mit den Menschen. ER lehrte wie einer, der göttliche
Vollmacht hat und die Menschen waren sehr betroffen, wie es im gehörten
Evangelium hieß.
Meine Lieben, dieses Evangelium ist zu allen Zeiten eine scharfe Kritik an
uns Christen und an unsere Kirche. Unsere Kirche muss sich fragen lassen:
Wie viel bewirkt sie in den Menschen, wenn sie von Gott spricht? Lassen Sie
mich die Antwort aus meiner Sicht kurz und kritisch so geben: Die Kirche
scheint in den Menschen nicht mehr all zu viel zu bewirken, wenn sie von
Gott spricht. Weil ihr Reden von Gott oft schriftgelehrtengleich scheint.
Weil sie zu oft von sich spricht, wenn sie von Gott zu sprechen vorgibt.
Dabei darf sie die Schuld nicht all zu schnell den Menschen in die Schuhe
schieben. Viel wichtiger aber ist mir die Frage an Sie und an mich: Wie viel
macht Jesus mit mir? Bin ich noch betroffen von seiner Lehre? Ich will heute
niemanden zu Unrecht zu nahe treten, aber auch in unseren Gottesdiensten
sitzen und in unseren kirchlichen Räumen kommen Menschen zusammen, an denen
die Lehre Jesu relativ spurlos vorüber gegangen zu sein scheint. Manche
gleichen jenem Besessenen aus dem heutigen Evangelium, weil sie besessen
sind von dem Trieb, andere Menschen schlecht zu machen oder aus zu schließen
oder das Leben schwer zu machen. Menschen, die ihnen nicht in den Kram oder
in den Kopf passen werden abgestempelt und weg geschickt. Mich macht wütend,
wenn man mehr oder weniger oft in die Kirche geht und zugleich anderen
gegenüber Feindbilder aufbaut. Wenn wir in unseren Gruppen und Kreisen
zusammen kommen und eben nicht jeder willkommen ist. Solche Menschen müssten
wie jener Besessene aus dem Evangelium fragen: „Was haben wir mit dir zu
tun, Jesus von Nazareth?“ Und ich antworte ihnen: „Nichts habt Ihr mit
diesem Jesus zu tun, weil ihr nichts mit ihm zu tun haben wollt. Weil er
nichts mit seiner Macht an Euch machen darf“. - Dass Sie mich nicht falsch
verstehen, liebe Zuhörende. Es geht mir nicht um Menschen, die schuldig
werden, dazu gehöre ich auch. Wir alle sind schuld-fähig. Es geht um
Menschen, die vorsätzlich das Beispiel Jesu ignorieren und sich nicht für
das Wort Gottes interessieren. Wer immer wieder neu gegen das Gebot der
Liebe verstößt, wer resistent zu sein scheint gegen das Beispiel Jesu, macht
sich vorsätzlich schuldig. Vorsätzlich schuldig werden aber gleicht einem
Mord nach Plan. Schuldig werden aus Schwäche jedoch bekommt bei Jesus immer
wieder Bewährung. Vielleicht hat auch jeder Mensch so seinen Bereich, wo er
das Beispiel Jesu ausblendet. Wie finden wir heraus aus dieser Besessenheit?
Indem wir uns betreffen lassen vom Beispiel Jesu, indem wir die volle Macht
Gottes an uns heran lassen, indem wir uns von IHM befreien und heilen
lassen. Es muss uns noch betroffen machen, wenn wir nicht so handeln, wie es
dem Beispiel Jesu entspricht.
Liebe Zuhörende, am kommenden Donnerstag lädt der Pfarrgemeinderat alle
Vorsitzenden der Gruppen und Kreise aus unserer SE ein, sich der einer Frage
aus unseren Qualitätsmerkmalen zu stellen: Leben wir in unserer Gruppe in
allem das Beispiel Jesu? Und ich möchte diese Frage auch an Sie, liebe
Gottesdienstgruppe weiter geben. Wenn wir dies tun, dann dürfen wir keinen
ausschließen, müssen jeden annehmen, müssen uns immer neu die Frage nach dem
gelebten Beispiel Jesu in allen Situationen stellen. Wenn wir dieses
Beispiel nicht in allem zu leben versuchen, sind wir nicht Kirche, sind wir
bestenfalls Pharisäer und Schriftgelehrte, die mit Gottes Lebendigkeit
nichts mehr zu tun haben. Deren Worte nichts mehr bewirkten. Ja, man kann
eine Religion wohl am besten daran erkennen, wie viel sie im Menschen
bewirkt, wenn sie von Gott spricht. Und ich will diesem Satz hin zu fügen:
Man kann einen religiösen Menschen daran erkennen, wie viel er Jesus an sich
machen lies und wie er selbst von Gott spricht. Amen.
Fürbitten
4. Sonntag 2012
V:
Gott, dein Geist bewirkt alles in allen und in allem. Wir bitten neu um
diesen Geist:
1.
Für unsere
katholische Kirche, dass sie weniger über sich spricht und mehr über dich,
Gott, damit die Menschen wieder betroffen werden von deiner Lehre. Erhöre
uns Herr! A: Erhöre uns Herr!
2.
Für unsere
Seelsorgeeinheit, dass wir wieder neu mehr von dir lernen, Jesus, damit
deine Lehre in unserer Zeit neu entdeckt wird und gelebt. Erhöre uns Herr!
A: Erhöre uns Herr!
3.
Für uns
Gottesdienstmitfeiernde, dass wir uns alle Besessenheit vom Bösen von dir
austreiben lassen, damit unser Leben heilsamer wird. Erhöre uns Herr!
A: Erhöre uns Herr!
4.
Für unsere neuen
Erstkommunionkinder, dass sie dich als das große Licht und den großen Freund
ihres Lebens erfahren und empfangen. Erhöre uns Herr!
A: Erhöre uns Herr!
5.
Für alle Menschen,
die seelisch oder körperlich krank sind, dass sie Heilung finden in deinem
Wirken und durch heilende Mitmenschen. Erhöre uns Herr!
A: Erhöre uns Herr!
Wirke ins uns allen, Gott, damit deine Worte unter uns neu lebendig werden
in Christus unserem Herrn. A: Amen.
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